Carandiru
Der Film „Carandiru“ aus dem Jahr 2003 basiert auf dem Buch „Estação Carandiru“ von Drauzio Varela, ein Arzt und Fachmann für AIDS, der lange Jahre im Gefängnis von Carandiru tätig war. Carandiru war das größte Gefängnis von ganz Lateinamerika und berüchtigt für die Brutalität, die dort herrschte. In Brasilien war der Film ein Boxoffice-Hit. Gut aufgenommen wurde der Film ebenfalls im internationalen Festivalzirkus. Unter anderem wurde er in Havana mehrfach ausgezeichnet. Es werden lose Szenen miteinander verknüpft, die einzelnen Personen werden ohne erhobenen Zeigefinger porträtiert. Sympathie- oder Antipathie Bildung liegen allein in der Hand des Zuschauers.
Der Film ist eine episodenhafte Geschichte. Dabei wird dargestellt, wie der Doktor, der von Luiz Carlos Vasconcelos gespielt wird, nach Carandiru kommt und dort die Gefangenen auf eine mögliche Infektion mit HIV testen will. Er trifft auf die Krankheit selbst, auf Drogen und ein völlig überfülltes Gefängnis. Der Doktor lernt, dass die Insassen das Leben hier im Prinzip steuern. Die Schwachen werden zusammengepfercht, die Starken wohnen in Suiten, so lassen sich die Verhältnisse im Gefängnis kurz zusammenfassen. Krankheiten wie Tuberkulose und eben AIDS breiten sich rasend schnell aus, denn die Insassen von Carandiru bekommen weder medizinische noch soziale Hilfe. Erst der Arzt erklärt sich zu regelmäßigen Besuchen bereit.
Er ist gezwungen, auf die einfachsten Methoden und Mittel zur Untersuchung der Häftlinge zurückzugreifen, denn er ist zwar gewohnt, mit modernen Mitteln zu arbeiten, findet diese aber hier natürlich nicht vor. Er wird für viele Insassen zu mehr als nur einem Arzt, er wird zu einem Freund und Vertrauten. So erfährt er einiges über ihre Lebensläufe und die Gründe, warum die Menschen hier gelandet sind. Eines Tages eskalieren die Gewaltausbrüche in dem Gefängnis. Am 2. Oktober 1992 kommt es zu einem brutalen Massaker, bei dem 111 Häftlinge durch Polizeigewalt ums Leben kommen.